Skip to main content

Wirtschafts- und Sozialrat

- WiSo TOP 1: KI zum Wohle der Menschheit

Künstliche Intelligenz (KI) entwickelt sich weltweit rasant und gilt als eine der einflussreichsten digitalen Technologien unserer Zeit. Sie bietet große Chancen, birgt jedoch auch erhebliche Risiken. Unternehmen, Regierungen und zivilgesellschaftliche Akteure beschäftigen sich zunehmend mit dieser Technologie, während die Vereinten Nationen bestrebt sind, sicherzustellen, dass KI zum Nutzen der gesamten Menschheit eingesetzt wird. Dieses Ziel beinhaltet vor allem Herausforderungen, wie den ungleichen Zugang zu KI - die sogenannte Digitale Kluft - sowie den Schutz von Menschenrechte beim Einsatz von KI-Systemen.

Auf internationaler Ebene wurden bereits erste Schritte unternommen, um Zusammenarbeit und Regulierung zu fördern. Dazu zählen der von der Generalversammlung verabschiedete Globale Digitale Pakt, sowie das eingesetzte Unabhängige Internationale Wissenschaftliche Gremium für KI und der Globale Dialog für KI. Ergänzend adressiert beispielsweise die Initiative AI for Good der Internationalen Fernmeldeunion (International Telecommunications Union, ITU) Anwendungsmöglichkeiten für KI. 

Das Gremium wird sich damit befassen, wie globale Kooperation gestärkt, ethische Standards umgesetzt und ein Nutzen für die gesamte Menschheit sichergestellt werden kann. Ziel ist es, einen Rahmen zu entwickeln, der Risiken minimiert und die Chancen dieser Technologie nutzt. Streitpunkt wird ebenfalls sein, wie stark die UN involviert sein soll, ob als bloße Plattform oder als Richtlinien-setzende Akteurin.

Einleitung

„Sind wir bereit für die Zukunft? Die Antwort ist einfach: Nein. Wir sind es vielleicht noch nicht einmal für die Gegenwart.”, lauteten die ersten Worte des UN-Generalsekretärs Antonio Guterres’ Anfang 2025 auf dem Aktionsgipfel für Künstliche Intelligenz (AI Action Summit) in Paris.

Weltweit sind die Hoffnungen in KI immens. Führende Unternehmen der Digitalbranche investieren große Summen in diese Technologie, während weltweit Regierungen neue KI-Strategien veröffentlichen.

Die Vereinten Nationen wollen hierbei eine Plattform sein, die garantiert, dass KI eine Technologie zum Wohle der gesamten Menschheit wird. Viele Fragen sind jedoch noch nicht ausdiskutiert. Wie kann der Fortschritt bei der KI mit weltweit nachhaltiger Entwicklung vereinbart werden? Wie kann denjenigen geholfen werden, die unter den neuen Entwicklungen leiden?

Hintergrund und Grundsätzliches

KI beschreibt eine Technologie, bei der ein Programm zumeist durch sogenanntes maschinelles Lernen trainiert wird, um selbstständig Probleme zu lösen.

Der erste Namensteil „Künstlich” leitet sich von dieser Eigenständigkeit ab. Der zweite Namensteil „Intelligenz” lässt sich jedoch nicht direkt aus der deutschen Bedeutung dieses Wortes ableiten, da eine KI nicht selbstständig denken und somit auch nicht intelligent sein kann. Der englische Ursprungsbegriff „Intelligence” lässt sich ebenso mit „Informationen” oder „Nachrichten” übersetzen. Man findet ihn beispielsweise im englischen Begriff „Intelligence Agency” (Nachrichtendienst) wieder. Der Wortteil „Intelligenz” beschreibt also hier die Fähigkeit von KI, Informationen auszuwerten und wiederzugeben.

Während schon seit der Mitte des letzten Jahrhunderts KI-Systeme entwickelt wurden, hat es in den vergangenen Jahren eine rasante Entwicklung gegeben. KI ist in kurzer Zeit zu einer der einflussreichsten digitalen Technologien geworden. Fortschritte im maschinellen Lernen, steigende Rechenleistung und die Verfügbarkeit großer Datenmengen führen zu einem immer häufigeren Einsatz. Während der Anwendungsbereich von KI vielseitig ist, beispielsweise in der medizinischen Diagnostik oder zur Auswertung von großen Datensätzen, haben sich in jüngster Vergangenheit besonders Technologien der generativen KI hervorgetan: Das sind beispielsweise Large Language Models (LLM, Große Sprachmodelle) und darauf basierende KI-Chatbots wie ChatGPT oder Bild- bzw. Ton generierende KI-Systeme, die niedrigschwellig verfügbar sind und in kürzester Zeit eine große Anzahl an Nutzer*innen erreichen.  

Auf internationaler Bühne befinden sich verschiedene Akteur*innen mit verschiedensten Interessen. Zu diesen zählen neben den bereits genannten großen Firmen und Regierungen auch Nichtregierungsorganisationen (wie bspw. Algorithmwatch) und zivilgesellschaftliche Bündnisse (wie bspw. hinter dem Wiener Manifest für Digitalen Humanismus), die vor den Gefahren durch KI warnen oder auf Anwendungsmöglichkeiten von KI hinweisen.

Es gibt in Sachen KI momentan zwei zentralen Konfliktlinien. 

Zum einen besteht ein grundlegendes Spannungsverhältnis zwischen den erwarteten Vorteilen und den potenziellen Nachteilen dieser Technologie. Es geht also um die Frage, ob die Weiterentwicklung von KI überhaupt dem Gemeinwohl dient. Hier besteht viel Uneinigkeit.  So wird einerseits auf Seiten der Wirtschaft davon ausgegangen, dass KI-Technologie so vielfältig einsetzbar sein wird, dass sie Produktivitätssteigerungen ermöglichen wird und so zum allgemeinen Wirtschaftswachstum und damit zu mehr Wohlstand beitragen wird. So werden erhebliche Fortschritte bei manchen Nachhaltigen Entwicklungszielen (Sustainable Development Goals, SDGs), beispielsweise nachhaltigem Wachstum, erwartet. Andererseits betonen kritische Stimmen erhebliche Risiken und problematische Auswirkungen und befürworten daher eine stärkere Regulierung. Viele dieser Risiken seien noch nicht absehbar. Einige sind aber bereits hinlänglich bekannt: KI-Systeme reproduzieren bestehende gesellschaftliche Diskriminierungen, können für menschenrechtsverletzende Totalüberwachungen eingesetzt werden und benötigen viele Daten zum Training, deren Beschaffung häufig mit Urheberrechtsverletzungen einhergeht. Weiter werden beispielsweise auch Einflüsse auf die kindliche bzw. jugendliche Entwicklung befürchtet.  

Zum anderen stellt sich die Frage, wie genau die gesamte Menschheit von Fortschritten bei KI profitieren kann. Da die Weiterentwicklung von KI sehr kostenintensiv ist, konzentrieren sich Innovationen meist auf wenige kapitalintensive Unternehmen. Dadurch steht sie jedoch tendenziell nur jenen zur Verfügung, die sich diese Technologie leisten können. Weiter noch ist die Weiterentwicklung von KI in rein privater Hand von wirtschaftlichen Interessen und nicht vom Gemeinwohlgedanken getragen. So besteht die Befürchtung, dass KI-Technologien bestehende Ungleichheiten und globale Probleme eher noch verschärfen werden, und so nicht der globalen nachhaltigen Entwicklung und dem Wohl der gesamten Menschheit, sondern nur den Profitinteressen einiger weniger dienen wird. 

Aktuelles

2024 verabschiedete die UN-Generalversammlung den Globalen Digitalen Pakt im Rahmen der Resolution A/RES/79/1 - Pakt für die Zukunft. Dieser Pakt ist die erste weltweite Vereinbarung über die Regulierung und den Umgang mit KI. Mit diesem einigte sich die  Weltgemeinschaft auf Ziele und Prinzipien, um aufstrebende Technologien - wie unter anderem KI - zum Wohle der Menschenrechte und der Nachhaltigen Entwicklungsziele zu nutzen. Gleichzeitig warnte sie jedoch auch vor der Gefahr, dass digitale Technologien bestehende Ungleichheiten verschärfen könnten. Der Pakt ist eine Willenserklärung der unterzeichnenden Staaten, er ist, anders als ein völkerrechtlicher Vertrag, nicht völkerrechtlich bindend. 

In der Folge gründete die Generalversammlung mit der Resolution A/RES/79/325 im August 2025 das „Unabhängige Internationale Wissenschaftliche Gremium für Künstliche Intelligenz” und den „Globalen Dialog für Künstliche Intelligenz”. Während das wissenschaftliche Gremium aus unabhängigen Experten jährliche Empfehlungen für Handlungsanweisungen der UN abgeben wird, dient der ab sofort jährlich stattfindende Globale Dialog als Möglichkeit für staatliche und private Akteur*innen, um die weltweite Lage bezüglich KI einzuordnen, Kooperationen zu ermöglichen und Erfahrungen auszutauschen.

Eine weitere Möglichkeit des Dialogs stellt die “AI for Good”-Initiative der Internationalen Telekommunikations Union (ITU) - einer UN-Sonderorganisation - dar. Ihr Fokus liegt vor allem auf dem Erreichen der Nachhaltigen Entwicklungsziele. Die seit 2017 stattfindenden jährlichen “AI for Good - Global Summits” in Genf dienen derweil als Veranstaltung, auf welcher Regierungen, UN-Organisationen, Unternehmen und Zivilgesellschaft Projekte vernetzen und Handlungsweisen austauschen.

Einen Fokus auf das Thema Menschenrechte setzte der Arbeitskreis für Menschenrechte und transnationale Unternehmen des Menschenrechtsrates. Dieser veröffentlichte im Mai 2025 seinen Bericht A/HRC/59/53, in welchem er den häufigen Einsatz von KI durch Staaten und Unternehmen, ohne die Folgen für Menschenrechte einzuschätzen, kritisierte. Er empfahl unter anderem eine Selbstverpflichtung, Einschätzungen abzuliefern welche Folgen der Einkauf und Einsatz von KI-Systemen für Menschenrechte bedeutet vor ihrem Kauf, und ein Verbot von einem Einsatz von KI für menschenrechtsfeindliche Zwecke, wie beispielsweise der Massenüberwachung.

Probleme und Lösungsansätze

KI-Systeme werden überwiegend von privaten Akteur*innen in wohlhabenden Staaten kontrolliert. Fehlende digitale Infrastruktur (Internet, Rechenkapazitäten) sowie finanzielle und bildungstechnische Voraussetzungen, um mit dieser Technologie umgehen zu können, verhindern für viele Bevölkerungsgruppen im Globalen Süden und einkommensschwache Menschen den Zugang zu KI. Dadurch ist KI sozial und global ungleich verteilt, was bestehende Ungleichheiten vertieft. Diese Ungleichheit wird auch als „Digitale Kluft” bezeichnet. Mögliche Gegenmaßnahmen könnten internationale Technologie- und Wissenstransfers, die Förderung frei zugänglicher KI, KI-Bildung oder der Ausbau digitaler Grundinfrastruktur sein. 

Eine weitere Herausforderung ist die sogenannte algorithmenbasierte Diskriminierung. Da KI-Systeme mit Daten trainiert werden, die von Menschen erzeugt wurden, reproduzieren sie bestehende Vorurteile dieser Menschen. Dies zeigt sich etwa darin, dass englischsprachige bildgenerierende KI-Systeme bei der Darstellung von Firmenchefs überproportional häufig weiße, wohlhabende Männer erzeugen und damit ein Zerrbild der Realität liefern. Der bloße Auftrag an eine KI, nicht diskriminierend zu handeln, führt bislang jedoch zu Leistungseinbußen; auch weil die Weiterentwicklung von KI sich noch nicht auf dieses Thema konzentriert hat. Staatliche Selbstverpflichtungen zur Regulierung könnten Abhilfe schaffen, die bisher fehlenden internationalen Regulierungen könnten ein Hinweis darauf sein, dass diese Lösung jedoch umstritten ist.

KI-Systeme beeinflussen zudem den internationalen Arbeitsmarkt erheblich. Die steigende Nachfrage nach KI-basierten Programmen führt zu einer steigenden Nachfrage nach sogenannten Data-Workern, die diese trainieren. Diese sind überwiegend im Globalen Süden tätig und arbeiten häufig unter prekären Bedingungen. Der Globale Digitale Pakt fordert deswegen ethische Arbeitsstandards. Eine zentrale Frage ist, wie diese ethischen Standards garantiert werden können.

Gleichzeitig warnt die Internationale Arbeitsorganisation (International Labour Organisation, ILO) - eine Teilorganisation der UN - vor tiefgreifenden Transformationen für viele Jobs durch KI, insbesondere in Staaten mit hohen Löhnen und Berufen mit hohem Frauenanteil. Mögliche Lösungsansätze können die Verstärkung von Weiterbildungsprogrammen oder auch soziale Abfederungsmaßnahmen für besonders betroffene Gruppen in den Blick nehmen.

Da das KI-Training eine große Menge an Daten benötigt, greifen Entwickler*innen häufig auf  große Mengen urheberrechtlich geschützter Daten zurück, ohne eine ausdrückliche Zustimmung der Rechteinhaber*innen zu haben. Die global steigende Anzahl an Klagen hiergegen zeigt, dass die bisherigen rechtlichen Rahmenbedingungen ungenügend sind. Die Frage stellt sich, ob eine grenzüberschreitende Technologie auch grenzüberschreitende Regelungen benötigt, beispielsweise woher KI-Modelle ihre Trainingsdaten bekommen und wie eine Vergütung von Rechteinhaber*innen funktionieren soll, ob Regulierungen den Staaten überlassen sein sollten, oder ob Regulierungen die Entwicklung von KI sogar noch behindern würden. 

Die UN hat viele der bisher genannten Probleme anerkannt und Handlungsmöglichkeiten skizziert. Im September 2025 verabschiedete die Generalversammlung die Resolution A/RES/79/334. Diese lobte unter anderem die Zusammenarbeit zwischen Staaten, um die digitale Kluft zu schließen, gab jedoch kaum konkrete weitere Schritte vor. Derartige Schritte werden deswegen ein wichtiger Bestandteil der Debatte in diesem Gremium sein.

Das Training und der Einsatz von KI erfordern zudem erhebliche Mengen an Energie, Wasser und Rechenkapazitäten, wodurch Ressourcenschonung und Nachhaltigkeit zunehmend im Mittelpunkt stehen. Die Debatte dreht sich darum, wie technologische Innovationen mit ökologischer Verantwortung vereinbart und Umweltfolgen langfristig begrenzt werden können. Da die UN diesem Thema bisher weniger Aufmerksamkeit gewidmet hat, liegt es am Gremium, eine Position zu entwickeln, um entweder die Problematik zu betonen oder die Chancen von KI für ökologische Nachhaltigkeit hervorzuheben.

Alle diese Fragen sind eng mit der übergeordneten Frage verbunden, welche Rolle die UN bei der Gestaltung und Steuerung von KI-Forschung und Implementierung spielen sollte. Antworten können hier stark variieren. Delegationen könnten beispielsweise eine begrenzte Rolle der UN als Plattform für Austausch bevorzugen oder aber auch eine aktive Rolle bei der Entwicklung und Durchsetzung von Regelungen präferieren. Zwischen diesen Extremen sind viele Positionen möglich, die von wirtschaftlichen Interessen auf der einen Seite und sozialen Interessen auf der anderen Seite geprägt sind. Die Frage muss nicht ausdrücklich beantwortet werden, sollte aber bei der Entwicklung einer in sich schlüssigen und konsistenten Haltung zur Rolle der UN stets berücksichtigt werden.

Punkte zur Diskussion

- Welche Maßnahmen sind nötig, um die Digitale Kluft zu schließen?

- Durch welche Instrumente lässt sich algorithmenbasierte Diskriminierung eindämmen oder verhindern?

- Wie kann einer Verschlechterung der Arbeitsplatzqualität entgegengewirkt werden? Welche Maßnahmen sind notwendig, Data-Workern faire und sichere Arbeitsbedingungen zu gewährleisten und wie lassen sich Arbeitsplatzverluste infolge des Einsatzes von KI-Systemen vermeiden oder sozial abfedern?

- Wie können Urheber- und Eigentumsrechte beim Training von KI gewahrt werden?

- Wie kann der Einsatz und das Training von KI ressourcenschonender und nachhaltiger werden?

- Welche zukünftige Rolle sollen die UN und ihre Organe bei der Koordinierung und Durchsetzung globaler KI-Regulierungen spielen?

Ausgangspunkte für die vertiefende Recherche

Um konkrete Probleme tiefgründiger zu verstehen, können die hier angegebenen Quellen ein Ausgangspunkt sein. Daran anschließend empfiehlt sich die eigenständige Recherche dazu, inwiefern diese Thematik Ihr Land betrifft.

KI ist ein derartig virales Thema, dass Sie eher zu viele als zu wenige Quellen finden werden. Wichtig bei Ihrer Recherche sollte das kritische Hinterfragen der Quellen sein. Da KI noch ein recht neues Thema ist, verbinden viele Menschen große Ängste und Hoffnungen mit diesem Thema. Dies nutzen manche weniger vertrauenswürdige Quellen gerne aus, um Risiken oder Chancen übertrieben darzustellen. 

Für die Papiere sollte der Fokus auf den nächsten Schritten liegen, da viele Probleme und Chancen bereits von den UN anerkannt werden. Es wird deswegen wichtig sein, welche konkreten Maßnahmen der UN ihr Staat unterstützt und welche er ablehnen würde.

Wichtig dafür ist es auch, sich ein Bild davon zu machen, welche Probleme Ihr Staat am wichtigsten findet.

Die unten angeführten Quellen unterteilen sich in Zentrale Quellen (Quellen mit hoher Relevanz, die jede Delegation gelesen haben sollte), Weiterführende Quellen (Quellen die einen guten thematischen Einstieg bei unterschiedlichen Themen darstellen), Vertiefende Quellen (Quellen die eventuell für eine tiefergehende Auseinandersetzung interessant sein könnten) und Quellen relevanter UN-Dokumente und Übersichten (Quellen für Dokumente, die im Gremientext genannt wurden und andere hilfreiche Übersichten der UN).

Zentrale Quellen

Generalversammlung der UN: Global Digital Compact (Globaler Digitaler Pakt). A/79/L.2. 20.09.2024

https://www.un.org/global-digital-compact/sites/default/files/2024-09/Global%20Digital%20Compact%20-%20English_0.pdf 

Der Globale Digitale Pakt ist der Ausgangspunkt vieler Debatten, die Sie führen werden. Er ist außerdem wichtig, um einzuordnen, welche Vorhaben bereits Beschlusslage der UN sind. (Englisch)

Generalversammlung der UN: Der Zukunftspakt A/RES/79/334. 22.09.2024. https://www.un.org/german/sites/default/files/2024-12/ar79001.pdf Hier finden Sie den Global Digital Compact auf Deutsch. Das Dokument ist sehr lang und kann erschlagend wirken, es muss keinesfalls ganz gelesen werden. Es ist sicher lohnenswert, ihn einmal zu überfliegen und sich insbesondere die fett gedruckten Ziele und Maßnahmen anzuschauen. Dieses PDF eignet sich auch zur gezielten Suche nach Schlagwörtern. Für einzelne Inhalte sind aber auch Sekundärquellen (siehe unten) gut geeignet. 

Guterres, António: Great power, greater responsibility – UN Secretary-General calls for shaping AI for humanity. 11.02.2025 https://unsdg.un.org/latest/announcements/great-power-greater-responsibility-un-secretary-general-calls-shaping-ai-allDiese Rede des UN-Generalsekretärs gibt eine gute und knappe Übersicht über die aktuellen Entwicklungen innerhalb der UN beim Thema KI und bietet eine gute Möglichkeit, sich eine Übersicht über die verschiedenen Gremien zu erarbeiten. Sie betrachtet jedoch nur Entwicklungen bis zum Februar 2025.

Weiterführende Quellen

Albrich, Karolina; Sindermann, Martin für die Bundeszentrale für Kinder- und Jugendmedienschutz: Chancen und Risiken: Künstliche Intelligenz im Spannungsfeld des Kinder- und Jugendmedienschutzes, 02.10.2023https://www.bzkj.de/resource/blob/233864/b9568d6fdbdd45213118c617825da9e1/20234-chancen-und-risiken-ki-im-spannungsfeld-des-kinder-und-jugendmedienschutzes-data.pdfDer Artikel beleuchtet Aspekte des Zusammenhangs von KI und Medienschutz für Minderjährige. (deutsch) 

Assunção, Isadora Valadares: Beyond Regulation: What 500 Cases Reveal About the Future of AI in the Courts. 20.05.2025. https://www.techpolicy.press/beyond-regulation-what-500-cases-reveal-about-the-future-of-ai-in-the-courts/ Der Beitrag analysiert Gerichtsverfahren im Zusammenhang mit KI und verdeutlicht die Problematiken fehlender Regulierung von KI. (Englisch)

Bothe, Julian. Ressourcenverbrauch von KI: Die Nimmersatt-Industrie und ihre Kosten. 2025. https://algorithmwatch.org/de/ressourcenverbrauch-von-ki/  Dieser kurze Beitrag gibt eine Übersicht über die Umweltproblematik hinter KI und mögliche Lösungsansätze. Er ist zwar sehr meinungsstark geschrieben, bietet jedoch einen sehr guten Einstieg in die Thematik möglicher Lösungsansätze, vor allem für jene Staaten, die der Argumentation des Autors folgen.

Deutschlandfunk: Die harte Arbeit der menschlichen KI-Trainer. 04.07.2024. https://www.deutschlandfunk.de/ki-data-worker-clickworker-deep-learning-100.html Der Artikel beleuchtet die Arbeitsrealität von Data-Workern, thematisiert prekäre Arbeitsbedingungen und gibt Hinweise für Lösungsansätze.

Germany Trade & Invest: KI-Strategien im internationalen Vergleich. 03.11.2025 https://www.gtai.de/de/trade/welt/specials/ki-strategien-im-vergleich-1936732 Der Artikel gibt einen kurzen Überblick über nationale KI-Strategien und Prioritäten verschiedener Staaten. Er bietet für einige Delegationen einen Ausgangspunkt für ihre Recherche zur Positionierung ihrer Staaten bei KI.

Internationale Telekommunikations Union: Artificial intelligence for good. 2023. https://www.itu.int/en/mediacentre/backgrounders/Pages/artificial-intelligence-for-good.aspx Die Website der ITU stellt Hürden und Chancen durch KI im Rahmen der Nachhaltigen Entwicklungsziele dar und gibt eine Übersicht über die Arbeit der ITU im Rahmen von KI. (Englisch)

Ladwig, Philipp: Was ist KI und welche Formen von KI gibt es? 05.12.2024. https://www.bpb.de/lernen/bewegtbild-und-politische-bildung/555997/was-ist-ki-und-welche-formen-von-ki-gibt-es/ Dieser Artikel liefert eine tiefergehende Erklärung zur Funktionsweise von KI.

Mosene, Katharina: Wie generative KI Diskriminierung verstärkt. 11.11.2025 https://www.fes.de/news/wie-generative-ki-diskriminierung-verstaerkt Der Artikel zeigt auf, wie generative KI bestehende gesellschaftliche Vorurteile reproduzieren und verstärken kann. Er eignet sich insbesondere zur Einordnung algorithmenbasierter Diskriminierung und deren gesellschaftlicher Auswirkungen.

UN News: AI threatens one in four jobs – but transformation, not replacement, is the real risk. 22.05.2025. https://news.un.org/en/story/2025/05/1163486 Der Beitrag thematisiert Ergebnisse der Internationalen Arbeitsorganisation über den Wandel der Arbeitswelt als Folge von KI. (Englisch)

Ad Hoc News, 20.02.2026: UN startet wissenschaftliches Gremium für KI-Kontrolle https://www.ad-hoc-news.de/boerse/news/ueberblick/un-startet-wissenschaftliches-gremium-fuer-ki-kontrolle/68596398 Artikel über den Start des Unabhängiges Internationales Wissenschaftliches Gremium für KI

Vertiefende Quellen

Europäisches Parlament: Künstliche Intelligenz: Chancen und Risiken. 02.05.2023. https://www.europarl.europa.eu/topics/de/article/20200918STO87404/kunstliche-intelligenz-chancen-und-risiken Weitere Chancen und Risiken aus der Perspektive der Europäischen Union finden sich hier wieder.

Initiative Digitaler Humanismus: ChatGPT - ein Katalysator für welche Zukunft? März 2023. https://caiml.org/dighum/statement-of-the-digital-humanism-initiative-on-chatgpt/Statement_on_ChatGPT_DE.pdf Wer sich noch tiefgreifender mit den Risiken und Chancen von textgenerativer KI (wie beispielsweise ChatGPT) auseinandersetzen will, kann sich diese Stellungnahme der Digitalen Humanismus Initiative durchlesen. Sie geht jedoch über die Debatte in unserem Gremium hinaus. 

Quellen relevanter UN-Dokumente

Generalversammlung der UN: Impact of rapid technological change on the achievement of the Sustainable Development Goals and targets. A/RES/79/334. 05.09.2025. https://docs.un.org/en/A/RES/79/334 Diese Resolution ist die letzte von der Generalversammlung verabschiedete Resolution zum Thema KI. (Englisch)

Generalversammlung der UN: Terms of reference and modalities for the establishment and functioning of the Independent International Scientific Panel on Artificial Intelligence and the Global Dialogue on Artificial Intelligence Governance. A/RES/79/325. 26.08.2025. https://docs.un.org/en/A/RES/79/325 Diese Resolution gründete formell die im Titel genannten Gremien und definierte ihre Funktionsweise und Aufgaben. (Englisch)

Internationale Telekommunikations Union: Artificial Intelligence. 2025.https://www.itu.int/en/action/ai/Pages/default.aspxDiese Seite gibt eine Übersicht über die Aktivitäten der ITU im Bereich KI. (Englisch)

Internationale Telekommunikations Union: Data Hub. o.D. https://datahub.itu.int/  Diese Seite der ITU zeigt Statistiken um eine Übersicht über die Ausprägung der Digitalen Kluft und einen Einblick in den eigenen Staat zu bekommen.

Menschenrechtsrat der UN: Artificial intelligence procurement and deployment: ensuring alignment with the Guiding Principles on Business and Human Rights - Report of the Working Group on the issue of human rights and transnational corporations and other business enterprises. A/HRC/59/53. 15.05.2025. https://www.ohchr.org/en/documents/thematic-reports/ahrc5953-artificial-intelligence-procurement-and-deployment-ensuring Dieses Dokument ist eine Zusammenfassung des im Gremiumtext benannten Berichts der Arbeitsgruppe des Menschenrechtsrates, der den Einfluss von KI-Systemen auf Menschenrechte thematisiert. (Englisch)

Lexikon

Aktionsgipfel für Künstliche Intelligenz (AI Action Summit): Politischer Gipfel, bei dem Vertreter*innen aus Politik und Wirtschaft weltweit in Sachen Künstliche Intelligenz beraten, um ihre Möglichkeiten auszunutzen und ihren Herausforderungen gerecht zu werden. 

Algorithmus: Ein Algorithmus ist eine Verarbeitungsvorschrift zur Lösung eines Problems, die so präzise formuliert ist, dass sie auch von einer Maschine abgearbeitet werden kann. Die Maschine kann so Schritt für Schritt nach dem Algorithmus vorgehen und ihre Aufgabe erfüllen. DIese Aufgabe kann beispielsweise in der Sortierung von Datensätzen liegen. 

AlgorithmWatch: AlgorithmWatch ist eine Menschenrechtsorganisation mit Sitz in Berlin und Zürich, die sich mit den gesellschaftlichen Auswirkungen von algorithmischen Entscheidungssystemen und Künstlicher Intelligenz befasst.

Digitale Kluft: Fehlende digitale Infrastruktur (Internet, Rechenkapazitäten) sowie fehlende finanzielle und bildungstechnische Voraussetzungen verhindern in strukturschwachen Staaten den Zugang zu digitalen Ressourcen. Diese sind sozial und global ungleich verteilt. Dieses Phänomen wird als digitale Kluft bezeichnet. 

Globaler Dialog für KI (Global Dialogue on Artificial Intelligence Governance): Von der UN-Generalversammlung ins Leben gerufenes politisches Gremium zur Beratung der internationalen Staatengemeinschaft und privater Akteur*innen in KI-Fragen

Globaler Digitaler Pakt (Global Digital Compact, GDC, auch Zukunftspakt genannt): Internationales Abkommen vom 22.09.2024, dessen Ziel es ist, eine inklusive, offene, nachhaltige und sichere digitale Zukunft für alle zu schaffen.

Globaler Süden: Länder des Globalen Südens sind Länder, die politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich benachteiligt sind. Die Bezeichnung Globaler Süden versucht, eine wertfreie Beschreibung zwischen unterschiedlich entwickelten Ländern in einer globalisierten Welt zu schaffen.

KI-Chatbot: KI-Chatbots sind computerbasierte Dialogsysteme, die künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen nutzen, um menschenähnliche Konversationen in natürlicher Sprache zu simulieren. Im Gegensatz zu regelbasierten Bots verstehen sie komplexe Anfragen, lernen aus Interaktionen und generieren Antworten, statt nur vorprogrammierte Skripte abzuspielen.

Large Language Models (LLM, deutsch: Große Sprachmodelle): Die Funktionsgrundlage für Large Language Models bildet ein Netzwerk, das mit riesigen Mengen an Text trainiert wurde. Große Sprachmodelle besitzen viele Milliarden Parameter und verarbeiten, verstehen und generieren natürlichsprachige Texte. Mit entsprechender Feinabstimmung lassen sie sich für unterschiedliche Anwendungen einsetzen. Chatbots wie Google Gemini oder ChatGPT basieren auf großen Sprachmodellen.

Nachhaltige Entwicklungszielen (Sustainable Development Goals, SDGs): Die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung sind die globalen Nachhaltigkeitsziele der UN im Rahmen der „Agenda 2030“, die eine nachhaltige Entwicklung auf sozialer, wirtschaftlicher und ökologischer Ebene fördern, Armut bekämpfen, Ungleichheit reduzieren und den Planeten schützen sollen. Sie gelten universell bis zum Jahr 2030 und richten sich an alle globalen Akteur*innen: Regierungen, die Zivilgesellschaft, die Privatwirtschaft, die Wissenschaft und jeden einzelnen Menschen.

Unabhängiges Internationales Wissenschaftliches Gremium für KI (Independent International Scientific Panel on Artificial Intelligence): Von der UN-Generalversammlung ins Leben gerufenes Expertengremium, das gemeinsam mit dem parallel laufenden politischen “Globalen Dialog für KI (s.o.) eine Verbindung zwischen wissenschaftlicher Evidenz und politischen Strategien aufbauen soll. 

Wiener Manifest für digitalen Humanismus: Das Wiener Manifest für digitalen Humanismus (2019) ist eine zivilgesellschaftliche Erklärung, die fordert, statt technologischer Möglichkeiten den Menschen in den Mittelpunkt der Digitalisierung zu stellen. Es plädiert dafür, Technologie nach menschlichen Werten, Bedürfnissen und Selbstbestimmung zu gestalten.