- WiSo TOP 2: Schutz bedrohter Sprachen
Inhaltshinweise:
Sprache spielt eine entscheidende Rolle für kulturelle Identität und die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Es gibt weltweit etwa 7.000 Sprachen; Schätzungen zufolge sind 2.000 bis 3.000 davon – überwiegend indigene und regionale Sprachen – akut vom Aussterben bedroht. Ein Sprachsterben führt nicht nur zu einem kulturellen Verlust; auch Wissen über Geschichte, Umwelt und soziale Strukturen geht verloren.
In einer Welt, die immer mehr globalisiert und digitalisiert wird, gewinnen dominante Verkehrs- und Nationalsprachen immer mehr Bedeutung, während kleinere Sprachgemeinschaften an Sichtbarkeit verlieren. Diese Ungleichheit ist besonders im Bildungswesen, in der öffentlichen Verwaltung und im digitalen Raum offensichtlich: Nur ein Bruchteil der global gesprochenen Sprachen ist im Internet oder durch Institutionen vertreten.
Historische und politische Aspekte sind eng mit dem globalen Sprachensterben verbunden. In vielen Gebieten haben Kolonialismus, Assimilationspolitik und rechtliche Diskriminierung dazu geführt, dass lokale Sprachen systematisch verdrängt werden. Strukturelle Benachteiligungen bestehen auch heute fort, zum Beispiel durch fehlende Anerkennung oder mangelnde Förderung von Minderheitensprachen.
Internationale Projekte, vor allem unter dem Dach der UNESCO, haben den Schutz der sprachlichen Vielfalt als kultur- und entwicklungspolitisches Ziel gesetzt. Trotzdem ist die Umsetzung auf nationaler Ebene uneinheitlich. In diesem Zusammenhang ist die Frage relevant, wie Staaten und internationale Organisationen den Erhalt bedrohter Sprachen effektiv unterstützen können, ohne dass dies zu kulturellen oder politischen Spannungen führt.
Einleitung
Das globale Kulturerbe umfasst sprachliche Vielfalt als einen wichtigen Bestandteil. Trotz allem verschwinden jährlich mehrere Sprachen für immer, fast die Hälfte aller Sprachen ist gefährdet. Es handelt sich nicht nur um ein Problem für bestimmte Regionen oder indigene Gemeinschaften; diese Thematik ist eine globale Herausforderung, die Länder auf der ganzen Welt betrifft; vom Aussterben des Sorbischen in Deutschland über die Verdrängung regionaler Sprachen in Tansania bis hin zum Sterben hunderter Sprachen in Indien. Der Schutz bedrohter Sprachen stellt grundlegende Fragen zu kultureller Verantwortung, staatlicher Unterstützung und internationaler Zusammenarbeit.
Hintergrund und Grundsätzliches
Über viele Jahrhunderte hinweg entstehen und entwickeln sich Sprachen. Sie tragen Wissen, Werte und soziale Strukturen und formen so die Identität ihrer Sprecher*innen. Sprache zu verlieren bedeutet daher mehr, als einfach ein Kommunikationsmittel zu verlieren. Viele Menschen, die regionale oder Minderheitensprachen sprechen, beherrschen daneben auch (die oder eine) Landessprache des Landes, in dem sie wohnen
Sprachen gelten als bedroht, wenn sie nicht mehr sicher an die nächsten Generationen weitergegeben werden. Oft handelt es sich um Sprachen von kleinen Gemeinschaften, die politisch, wirtschaftlich oder gesellschaftlich benachteiligt und an den Rand gedrängt sind. Faktoren wie Urbanisierung, Migration, staatliche Vereinheitlichung, politische Entscheidungen und der Mangel an formaler Bildung in der eigenen Sprache tragen dazu bei.
In der Geschichte war der Kolonialismus ein Hauptgrund für die Verdrängung lokaler Sprachen. In vielen ehemaligen Kolonien sind Kolonialsprachen als Verwaltungs-, Bildungs- und Verkehrssprachen eingesetzt worden, während indigene Sprachen systematisch abgewertet wurden. So wurde zum Beispiel durch das spanische und das portugiesische Königreich seit dem späten 15. Jahrhundert Mittel- und Südamerika gewaltvoll erobert und dort Spanisch und Portugiesisch als Verkehrssprachen eingesetzt, während die indigenen Sprachen unterdrückt und tausende Sprecher*innen getötet wurden. Bis heute sind die Ergebnisse davon spürbar: Spanisch ist die häufigste Muttersprache in Nord- und Südamerika, während indigene Sprachgemeinschaften um ihr Fortdauern bangen.
Auch Imperialismus und Nationalismus, also vor allem der Versuch, national einheitliche Staaten mit einer gemeinsamen Regierung, Kultur und eben auch Sprache zu schaffen, spielen hier bis heute eine Rolle. Dabei kommen oft verschiedene Faktoren zusammen: So verloren niederdeutsche Sprachen (oft Plattdeutsch genannt) durch das Ende der Hanse im 17. Jahrhundert an politischer und wirtschaftlicher Bedeutung, waren aber noch lange die regional übliche Sprache. Durch den deutschen Nationalismus und kirchliche Einflüsse rund 150 Jahre später wurde schließlich an den Schulen nur noch Hochdeutsch unterrichtet und Niederdeutsch galt zunehmend als Sprache der Armen, sodass seiner Weitergabe auch in den Familien immer weniger Bedeutung beigemessen wurde. Auch die neuen deutschlandweiten Zeitungen oder aus anderen Teilen des Landes in immer größeren Mengen zuwandernde Arbeiter*Innen konnten nur diejenigen verstehen, die Hochdeutsch sprachen. So wurde aus einer bedeutenden Sprachfamilie, die im gesamten Ostseeraum bekannt war, in nur vierhundert Jahren eine bedrohte Sprachfamilie.
Ähnlich erging es Sprachen von nationalen oder ethnischen Minderheiten überall auf der Welt, zum Beispiel Baskisch in Spanien oder rund 200 lokale Sprachen in Indien. Bei anderen Sprachen gab es gezielte Versuche, sie auszulöschen, so bei den Sprachen ethnischer Minderheiten in Russland, dem Aramäischen in der Türkei, in Syrien und im Irak oder zahlreichen indigenen Sprachen in den USA und Kanada. Einige von ihnen werden inzwischen geschützt und gefördert, andere weiterhin aktiv unterdrückt. Das Verbot, eine bestimmte Sprache zu sprechen, verstößt gegen den UN-Zivilpakt, den der Großteil aller Länder ratifiziert hat.
Aktuelles
Auf internationaler Ebene wird der Schutz der sprachlichen Vielfalt seit einigen Jahren immer wichtiger. Die Generalversammlung hat 2019 das Internationale Jahr der indigenen Sprachen ausgerufen und zwischen 2022 und 2032 die Internationale Dekade der indigenen Sprachen initiiert. Das Ziel ist es, das Bewusstsein zu schärfen und Aktionen zur Förderung, Dokumentation und Revitalisierung gefährdeter Sprachen zu unterstützen. Dazu wurde ein globaler Aktionsplan erstellt, der zehn Punkte enthält. Sehr aktiv dabei ist die UNESCO, aber auch für den Wirtschafts- und Sozialrat ist dieses Thema sehr relevant.
Aktuell ist fast die Hälfte der noch lebenden Sprachen akut bedroht. 30% werden kaum noch an die Kinder weitergegeben, aber die Elterngeneration spricht die Sprache noch; diese können leicht gerettet werden, wenn schnell entschlossene Maßnahmen eingeleitet werden. 14% der Sprachen werden hingegen von so wenigen Menschen beherrscht, dass sie außerhalb des Zuhauses gelehrt werden müssen, um überleben zu können.
Mit der Europäischen Charta der Regional- und Minderheitensprachen existiert ein für die 25 ratifizierenden Staaten verbindlicher völkerrechtlicher Vertrag zum Schutz von Sprachen, die seit langer Zeit in einer Region gesprochen werden. Sie schützt dabei nicht nur bedrohte Sprachen wie Baskisch, Friesisch oder Jiddisch, sondern zum Beispiel auch das Deutsche im südlichen Dänemark. Nicht geschützt sind hingegen die Sprachen neu zugezogener Menschen. Die Staaten verpflichten sich, mindestens 35 von 98 aufgelisteten Maßnahmen zur Förderung der Sprachen in verschiedenen Gesellschaftsbereichen umzusetzen. Sie können allerdings Sprachen benennen, die nur allgemein geschützt, aber nicht konkret gefördert werden müssen. Über die ergriffenen Maßnahmen und den Status der Sprachen müssen die Staaten regelmäßig berichten, was eine gewisse Verbindlichkeit schafft und es der Zivilgesellschaft erleichtert, Druck aufzubauen.
Expert*Innen- und Nichtregierungsorganisationen veröffentlichten bereits 1996 die allgemeine Erklärung der Sprachenrechte. Sie ist ein idealistisches Dokument, das von den Regierungen einiger autonomer Minderheiten, beispielsweise des Baskenlandes, unterstützt wird, aber bisher weder bei der UNESCO noch bei Staaten auf Akzeptanz stieß. Sie fordert den Schutz aller Sprachgemeinschaften, auch von Dialekten oder den Sprachen migrierter Menschen, und sichert ihnen dabei insbesondere folgende Rechte zu: Die Sprache zu verwenden, die eigene Kultur weiterzuentwickeln, die Sprache und Kultur zu unterrichten, mit Behörden in der Sprache zu kommunizieren, eine ausreichende Vertretung der Sprache in den Medien. Dabei sollen diese Rechte die Integration in die Mehrheitsgesellschaft nicht behindern. Ein Missachten der Rechte soll Sanktionen nach sich ziehen.
Zur selben Zeit entwickelt sich die Digitalisierung immer weiter. Einerseits eröffnen digitale Medien neue Wege, um kleine Sprachen zu dokumentieren und zu verbreiten; andererseits verstärken sie bestehende Ungleichheiten, weil die technologische Infrastruktur und die Inhalte meist auf wenige dominante Sprachen ausgerichtet sind.
Herausforderungen und Lösungsansätze
Ein großes Problem ist die fehlende institutionelle Verankerung vieler Minderheitensprachen. Ohne staatliche Anerkennung oder Förderung sind sie oft nur im privaten Bereich nutzbar. Selbst im Bildungsbereich mangelt es oft an mehrsprachigen Ansätzen, die helfen könnten, kleine Sprachen zu bewahren.
Ein häufiges Argument von Regierungen ist die nationale Einheit, die durch eine gemeinsame, von allen gesprochene Landessprache gewahrt werden soll. Dieses Argument wird dazu genutzt, sprachlichen Minderheiten nicht mehr Rechte zuzugestehen. Sprachförderung oder mehrere Amtssprachen sind zudem ressourcenintensiv; einige meinen, dass diese Energie besser in die Umsetzung anderer Menschenrechte fließen sollte. Nationale Minderheiten und kleinere Sprachgemeinschaften hingegen fordern mehr kulturelle Souveränität und die Möglichkeit, ihre eigene Sprache zu sprechen. Folgende Lösungsansätze werden unter anderem erörtert:
Durch eine intensivere sprachwissenschaftliche Dokumentation bedrohter Sprachen kann ein umfassendes Bild der Problematik geschaffen werden. Dafür müssen Sprachwissenschaftler*innen, Sprecher*innen und die nationalen Regierungen zusammenarbeiten.
Wenn Minderheiten- und Regionalsprachen staatliche Anerkennung erhalten, lenkt das die Aufmerksamkeit weiter auf das Problem. Somit können bedrohte Sprachen aktiv geschützt werden. Durch die staatliche Unterstützung von Gemeinschaften, die diese Sprachen sprechen, können sie in einem nationalen Rahmen als Minderheitensprachen verankert werden. Damit einher gehen konkrete Lösungsansätze zum Erhalt der Sprachen, wie zwei- und mehrsprachiger Schulunterricht, ein staatliches Medienangebot (also Fernsehen oder Internetauftritte) in Minderheitensprachen und die Möglichkeit, offizielle Dokumente in diesen Sprachen lesen sowie Anträge an Behörden in diesen zu stellen.
Digitale Angebote können einen großen Teil dazu beitragen, kleine Sprachen verfügbar zu machen und zu erhalten, weswegen gezielte Unterstützung digitaler Inhalte in kleinen Sprachen sehr sinnvoll ist. Den betroffenen Gruppen selbst fehlen allerdings oft die Ressourcen, um diese Inhalte zu erstellen und zu verbreiten. Eine weitere Herausforderung ist, dass viele bedrohte Sprachen über zahlreiche Sprachvarianten verfügen; kommerzielle Sprachtechnologien wie Duolingo bilden nur eine einzige, oft willkürlich ausgewählte Variante dieser Sprache ab und können so zur Verdrängung anderer Varianten beitragen. KI-Technologien ermöglichen es, Inhalte und Übersetzungen zu erstellen, benötigen jedoch große Datenmengen, die bei bedrohten Sprachen oft fehlen. Die generelle Kritik an generativer KI gilt natürlich auch in diesem Fall. Und schließlich sind Sprachen mit Kultur verbunden; eine Verbindung, die durch digitale Angebote allgemein und KI im Besonderen schnell verloren gehen kann.
Maßnahmen zur Sprachförderung müssen nicht allein Sache der Regierung sein. Partnerschaften zwischen Regierungsorganisationen und Vertreter*Innen der Zivilgesellschaft, in diesem Fall beispielsweise Angehörigen einer nationalen Minderheit, ermöglichen den Betroffenen mehr Mitbestimmung, wenn sie auf Augenhöhe geführt werden. Zugleich können sie staatliche Ressourcen sparen. Solche Partnerschaften können von der rein finanziellen Förderung zivilgesellschaftlicher Organisationen durch die Regierung bis zur Einbindung der Zivilgesellschaft in Regierungsprogramme, indem beispielsweise Ehrenamtliche ihre bedrohte Sprache in der Schule unterrichten oder die Regionalregierung kulturell beraten, reichen.
Die Umsetzung dieser Maßnahmen steht vor drei zentralen Herausforderungen: Vieles davon kostet Geld und es ist fraglich, wer für die Finanzierung aufkommt. Häufig scheitert es an einer politischen Priorisierung, da politische Entscheidungsträger*innen die Anliegen der Sprecher*innere Minderheitensprachen nicht für wichtig genug halten, um sie in der nationalen Politik zu diskutieren. Gerade Staaten mit knappen finanziellen Mitteln müssen genau abwägen, wie sie diese einsetzen. Darüber hinaus fehlt aber teilweise auch der politische Wille: Einige Staaten streben im Rahmen von Bestrebungen nationaler Einheit oder gar der bewussten Unterdrückung von Minderheiten die Verdrängung bestimmter Sprachen an. Solange Sprachen noch aktiv diskriminiert werden, sind Maßnahmen zur Sprachförderung in diesen Staaten noch illusorisch.
Staatliche Anerkennung von Sprachen leistet einen wichtigen Teil zum Erhalt, aber kann das Aussterben häufig nur schwer aufhalten. Das sieht man am Beispiel des Rätoromanischen, das trotz seines Status als eine von vier offiziellen Amtssprachen in der Schweiz bedroht ist. In einer Gesellschaft, die zunehmend von wechselnden Wohnorten und landesweiter, oft sogar internationaler Zusammenarbeit geprägt ist, haben Regional- und Minderheitensprachen für ihre Sprecher*innen oft nahezu keinen Alltagsnutzen. Entsprechend gering ist bei vielen die Motivation, diese zu lernen oder ihren Kindern zu vermitteln; teilweise gilt es als wichtiger, dass sie mehr Übung in der für den wirtschaftlichen Erfolg entscheidenden Mehrheitssprache oder gar einer entsprechend wichtigen Fremdsprache erhalten.
Punkte zur Diskussion
- Inwiefern sollte die koloniale Vergangenheit in die Bewertung des heutigen Sprachen Sterbens einfließen?
- Welche Funktion können internationale Organisationen beim Bewahren der sprachlichen Vielfalt übernehmen? Sollte zum Beispiel ein Abkommen ausgehandelt werden oder möchte der Wirtschafts- und Sozialrat die durch ihn überwachten UN-Organisationen dazu anhalten, in diesem Bereich auf eine bestimmte Art aktiv zu werden?
- Sollen Minderheitensprachen stärker institutionell verankert werden, zum Beispiel im Bildungssystem? Woher sollen die Ressourcen dafür kommen?
- Wie können Konflikte zwischen nationaler Einheit und sprachlicher Vielfalt gelöst werden?
Recherche-Hinweise
Es ist ratsam, zuerst einen Überblick über internationale Abkommen und Programme zum Schutz der kulturellen und sprachlichen Vielfalt zu erhalten, um weiter zu recherchieren. Dokumente und Berichte der UNESCO sowie die Stellungnahmen einzelner Staaten zur Sprachpolitik sind besonders relevant. Innerhalb der Internationalen Dekade der Indigenen Sprachen werden viele Aktivitäten und Events vor Ort umgesetzt, die zum Erhalt indigener Sprachen beitragen sollen.
Als Startpunkt für die Recherche sollten Sie herausfinden, welche Sprachen in dem von Ihnen vertretenen Staat gesprochen werden. Gibt es eine oder mehrere Nationalsprachen? Welche Regional- und Minderheitensprachen gibt es, und welchen Status haben diese? Sind sie rechtlich geschützt oder bedroht? Um nationale Positionen zu analysieren, können offizielle Regierungs Websites, Bildungsministerien oder Kulturinstitutionen genutzt werden. Journalistische Berichterstattung ermöglicht zudem einen niedrigschwelligen Einstieg in aktuelle Debatten. Es ist wichtig zu beachten, dass viele Quellen überwiegend in englischer oder französischer Sprache verfügbar sind.
Lexikon
Indigene Sprachen: Traditionelle Sprachen von Bevölkerungsgruppen, die bereits in einem Gebiet lebten, bevor es von Menschen aus einer anderen Region besiedelt oder besetzt wurde; sie haben häufig keine staatliche Anerkennung.
Kolonialismus: Ein historisches System, bei dem Kolonialmächte fremde Gebiete politisch und wirtschaftlich kontrollierten
Kolonialsprachen sind Sprachen, die beispielsweise von europäischen Kolonialmächten in ihren Kolonien verbreitet wurden, so beispielsweise Spanisch in Lateinamerika, Englisch oder Französisch in Afrika
Minderheitensprachen: Sprachen, die von einer Bevölkerungsgruppe gesprochen werden, die in der Minderheit ist. Dabei kann es sich um indigene Sprachen handeln, aber auch um Sprachen von eingewanderten Menschen. In einigen Ländern ist die Amtssprache eine Sprache (häufig eine Kolonialsprache), welche nur von einem kleinen Teil der Bevölkerung muttersprachlich gesprochen wird; da diese Sprachen weit davon entfernt sind, benachteiligt zu werden, werden sie meist dennoch nicht als Minderheitensprache gesehen.
Ratifizierung: Ratifizierung bezeichnet die völkerrechtlich verbindliche Bestätigung eines bereits unterzeichneten Vertrags durch die zuständigen staatlichen Organe (z.B. Parlament oder Staatsoberhaupt). Durch die Ratifizierung wird der Vertrag ins nationalstaatliche Recht aufgenommen.
Regionalsprachen: Sprachen, die nur in einer bestimmten Region eines oder mehrerer Sprachen gesprochen werden, und nicht die Verkehrssprache dieses Staates sind. Beispiele sind Dänisch im Norden Schleswig-Holsteins oder Celuano und viele weitere Regionalsprachen auf den Philippinen, wo nur ein Viertel der Bevölkerung die Amts- und Verkehrssprache Filipino muttersprachlich spricht.
Sprachensterben: Der Vorgang, bei dem eine Sprache komplett aus dem Gebrauch verschwindet.
Sprachliche Vielfalt: Das Zusammenleben mehrerer Sprachen innerhalb eines Staates oder weltweit.
Urbanisierung: Die Entwicklung, dass ein immer größerer Anteil der Menschen in Städten statt in ländlichen Regionen lebt. Beim Umzug in eine Stadt verlassen viele Menschen ihre Heimatregion und haben dadurch weniger Anbindung an die Kultur, in der sie aufgewachsen sind. Auch begegnen sie oft mehr Menschen verschiedener Kulturen.
Verkehrssprachen sind Sprachen, die von vielen Menschen im Alltag gesprochen werden, die diese Sprachen nicht als Erstsprache sprechen, sondern im Alltag zum Beispiel im politischen Leben, in der Wirtschaft oder in der Wissenschaft. Beispiele hierfür sind Englisch und Spanisch, aber zum Beispiel auch Swahili, das in Ostafrika weit verbreitet, aber nur bei 10% der Sprecher*innen Muttersprache ist.
Quellenangaben
UNESCO: Internationale Dekade der indigenen Sprachen (2022–2032)https://www.unesco.org/en/decades/indigenous-languages
Deutschlandfunk: „3.000 Sprachen weltweit vom Aussterben bedroht“https://www.deutschlandfunk.de/linguistik-3-000-sprachen-weltweit-vom-aussterben-bedroht-100.html
Deutsche Gesellschaft für die Vereinten Nationen (DGVN): Internationales Jahr der indigenen Sprachenhttps://dgvn.de/meldung/2019-internationales-jahr-der-indigenen-sprachen
UNESCO: Übereinkommen zur Vielfalt kultureller Ausdrucksformenhttps://www.unesco.de/themen/kultur/kulturelle-vielfalt/unesco-uebereinkommen-zur-vielfalt-kultureller-ausdrucksformen
Asmara-Deklaration https://www.africa.upenn.edu/Govern_Political/asmrlit.html [Englisch] (eine Erklärung afrikanischer Autor*innen und Wissenschaftler*innen zur Bedeutung indigener Sprachen in Afrika)
Europarat: Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen https://rm.coe.int/168007c089
Allgemeine Erklärung der Sprachenrechte (Barcelona-Deklaration) https://www.gfbv.it/3dossier/barcelona96-dt.html
UNESCO: Global Action Plan of the International Decade of Indigenous Languages, (IDIL2022-2032); abridged version https://unesdoc.unesco.org/ark:/48223/pf0000383844 [Englisch] (insbesondere Seiten 14-22 für Maßnahmen zum Schutz indigener Sprachen und eventuell Seiten 6-8 zur Bedeutung)
UNESCO: Evaluation of UNESCO’s action to revitalize and promote indigenous languages https://unesdoc.unesco.org/ark:/48223/pf0000376719 [Englisch] (Auswertung der bisherigen Bemühungen der UNESCO; gerade die Kurzfassung der Empfehlungen auf Seite X und XI ist einen Blick wert)